TRE® wird in ganz unterschiedlichen beruflichen Feldern angewandt. Häufig wird TRE® in einigen wenigen Sitzungen vermittelt und dann zur eigenständigen Praxis nach Hause gegeben. Neurogenes Zittern kann jedoch auch in fortlaufenden Gruppen praktiziert werden. Christina Mächler und Magdalena Steinemann erläutern im Interview die Vorteile und Herausforderungen der Arbeit in fortlaufenden Gruppen im Vergleich zu zeitlich begrenzten Workshops. Dieser Blogbeitrag gibt einen Einblick in ihre Überlegungen und Erfahrungen. Das Interview führte Verena Maggioni.
Warum habt ihr Euch entschieden, fortlaufende TRE® -Gruppen anzubieten statt ausschliesslich zeitlich begrenzte Workshops?
Magdalena Steinemann, MS: Ich habe mich entschieden, fortlaufende Gruppen anzubieten, weil ich in einem tagesklinischen Setting gearbeitet habe, wo ich eine TRE® -Gruppe für Patient:innen konzipierte. Es war mir wichtig, den ausTRE® tenden Patient:innen eine Anschlusslösung zu bieten. In der Praxis sehe ich, dass es wichtig ist, verschiedene Teilnahmemöglichkeiten anzubieten – sei es wöchentlich, in größeren Abständen oder für eine begrenzte Zeit.
Christina Mächler, CM: Viele Menschen haben Schwierigkeiten, nach einem Einführungskurs TRE® in ihre Routine zu integrieren. Eine regelmäßige Gruppe unterstützt sie dabei, die Übungen in ihren Alltag zu bringen. Der Raum, den wir schaffen, und die Coregulation in der Gruppe sind für viele Teilnehmende hilfreich.
Für welche Zielgruppen eignen sich eurer Meinung nach fortlaufende TRE® -Gruppen?
MS: Fortlaufende Gruppen eignen sich für alle Zielgruppen. Gerade schwer psychisch belastete Menschen profitieren besonders von der Wiederholung und dem kleinschrittigen Voranschreiten im Prozess. Aber auch stabilere Personen finden in der Gruppe einen Anker, um ihre Batterien aufzuladen und STRE® ss zu regulieren. Regelmässige Inputs von aussen ermöglichen eine Vertiefung im Prozess.
CM: Für Menschen – auch nicht schwer kranke, die Mühe haben, zu Hause selbst zu üben. Hilfreich ist es auch für Menschen, die lernen möchten, sich in einer Gruppe wirklich sicher zu fühlen.
Wie gestaltet Ihr den Einstieg für neue Teilnehmende in die fortlaufende Gruppe?
MS: Ich verlange eine vorgängige TRE® -Einführung im Einzel- oder Gruppensetting. Ich möchte hierfür wieder regelmässiger Gruppen-Einführungsworkshops anbieten. Manchmal fällt der Einstieg in eine fortlaufende Gruppe leichter, wenn man schon Gruppenerfahrung in TRE® mitbringt.
CM: Voraussetzung ist ein Kennenlerngespräch, bei welchem die Übungen eingeführt und oft das Zittern schon ein erstes Mal erfahren werden kann.
Welche Vorteile seht Ihr in fortlaufenden TRE® -Gruppen, wie wirkt sich die Regelmässigkeit auf den Prozess aus?
MS: Die Regelmäßigkeit ermöglicht mehr Vertrauen in die Gruppe und in den TRE® -Prozess, gerade bei schwer belasteten Menschen. Die Teilnehmenden erleben, dass sie nicht allein sind. Durch den Austausch und die Anregungen von anderen wird das Spielerische im Prozess geweckt. So entstehen kreative und ganz eigene Wege für den Zitterprozess. Insgesamt: wenn TRE® zu etwas Eigenem, das zu einem gehört, werden soll, dann braucht es eine Regelmässigkeit; die Gruppe kann darin unterstützen.
CM: Der TRE® -Prozess vertieft sich durch die Wiederholung. Gerade Menschen, die zunächst nur wenig Zittern oder Schwierigkeiten mit der Selbstwahrnehmung oder dem Sicherheitsgefühl haben, erleben durch das Üben über längere Zeit plötzlich angenehme Veränderungen und haben so Erfolgserlebnisse. Dranbleiben lohnt sich.
Sehr Ihr auch Herausforderungen oder Nachteile bei diesem Gruppensetting?
MS: Eigentlich nicht. Es ist nicht so, dass Autonomie oder der Transfer nach Hause eingeschränkt werden, im Gegenteil.
CM: Auch für mich überwiegen die Vorteile. Gruppendynamiken waren bisher gut zu handeln, oder aber Personen verlassen die Gruppe wieder, wenn sie sich nicht ausreichend wohl fühlen.
Gibt es organisatorische oder finanzielle Hürden für die Anbieter:innen solcher TRE® -Gruppen?
MS: Raummiete und Aufwand für Organisatorisches spielen sicher eine Rolle dafür, dass für die Anbieterin ein solches Angebot wenig lukrativ ist. Ich möchte aber, dass die Gruppe auch finanziell niederschwellig für die Teilnehmenden ist.
CM: Ob sich eine Anbieterin, die auch über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnet, ein solches Angebot weiterhin leisten kann, wird auch von der neuen Tarifstruktur in der Psychotherapie abhängen.
Was kann in Euren Augen ein ein- bzw. mehrmaliger Workshop leisten, was eine fortlaufende Gruppe?
MS: Einmalige Workshops können das Feuer für TRE® entfachen, erste Erfahrungen bieten und neugierig machen. Der nachhaltige Transfer nach Hause ist jedoch für viele schwierig. Es braucht auch in TRE® immer wieder einmal Inputs von anderen, wenn ich in meinem Prozess nicht weiterkomme. Fortlaufende Gruppen bieten diese wertvolle Unterstützung.
CM: Einmalige Workshops bieten eine wertvolle Einführung. Für eine weiterführende Praxis ist viel Disziplin in der eigenen Umsetzung nötig. Hier können fortlaufende Gruppen unterstützen, helfen, den Prozess zu vertiefen, auch das Eingehen auf individuelle Erfahrungen wird eher möglich, und der TRE® -Prozess kann mit weiteren Möglichkeiten erweitert werden, zum Beispiel via Hilfsmaterialien, Anleitung zu Selbstinterventionen oder zum Beispiel via Musik.
Fazit
Die Gespräche mit Magdalena und Christina zeigen, dass fortlaufende TRE®-Gruppen eine wertvolle Ergänzung zu zeitlich begrenzten Workshops sind. Sie fördern nicht nur die individuelle Entwicklung, sondern stärken auch die Gemeinschaft und den Austausch unter den Teilnehmenden.
In der ganzen Schweiz finden sich verschiedenste TRE®-Gruppenangebote unserer Mitglieder.
Ich bedanke mich herzlich für das inspirierende Gespräch mit Euch beiden.
