In TRE gehen wir im Sinne der Polyvagaltheorie von Porges davon aus, dass wir menschliche Säugetiere in ständiger Co-Regulation leben. Unsere Nervensysteme stimmen sich aufeinander ein und stellen im besten Fall gemeinsam Sicherheit her. Für die TRE-Fortbildung haben wir das Format des Co-Teachings gewählt, einerseits um uns als Lehrende zu ergänzen und zu co-regulieren, andererseits, um den Fortbildungsteilnehmenden verschiedene TRE-Stile und Berufshintergründe zu bieten. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass dies gut funktioniert. Als Co-Teacher stellen wir zusammen mit den Assistierenden einen Lernraum zur Verfügung, in dem Teilnehmende sich austauschen und neue TRE-Elemente ausprobieren können. Die Sicherheit dieses Lernraums entsteht nicht durch einen perfekten Rahmen, sondern durch Fehlertoleranz der Lehrenden, durch «Ruptur und Reparatur» innerhalb der Lernbeziehungen. So wie die Teilnehmenden nicht «alles richtig» machen müssen, gehen auch wir Lehrenden davon aus, dass wir immer wieder Fehler machen, zum Beispiel Demos schiefgehen oder wir nicht ganz eingestimmt auf Teilnehmende reagieren. Diese kleinen Brüche, «Rupturen», verstehen wir als Lerngelegenheiten, die «Reparaturprozesse» anregen. Diese beinhalten das gemeinsame Anerkennen des Bruchs, allenfalls Wiedergutmachung und Würdigen des daraus Gelernten. So wird wieder Sicherheit im Lerngefäss hergestellt. Mit jedem durchlaufenen Reparaturprozess stärkt und erweitert sich der Raum für gemeinsames Lernen. Auf uns einzelne Menschen übersetzt bedeutet dies eine Stärkung unseres inneren Gefässes, unserer Fähigkeit, herausfordernde Situationen lebendig zu meistern. Dies erhöht unsere Resilienz.
So wie in der japanischen Tradition des kintsugi zerbrochene Schalen mit Goldlack ausgebessert und zu neuen Kreationen zusammengefügt werden, können in Lernbeziehungen durch Brüche und Reparaturprozesse erweiterte und sichere Lerngefässe geschaffen werden.
